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Die Reise
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Namibia2009
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Die Reise

                                                         

Namibia – dort wo die Sonne mittags im Norden steht
 
Ein Traum wird wahr! Ein lange gehegter Traum. Vor Jahren schon wurde die „Saat“ in meinem Kopf gelegt. Freunde – und hier sei Heiner, Gerd und Bernd zuerst gedankt – schwärmten dermaßen von Namibia, dass ein Besuch in diesem Land zu einem Bedürfnis wurde.
2009 wurde aus diesem Traum Wirklichkeit. Und es sei vorab gesagt:
„Kein Traum kann die Realität toppen!“
 
Wir, meine Frau Margret und ich, hatten schon unsere Vorstellungen. Die „W’s“ wie Weite, Wüste, Wildnis standen im Erwartungsbild ganz vorne. Am Ende einer grandiosen Reise kam noch ein „W“ dazu: Wehmut!
 
Aber lesen und schauen Sie selbst!
 
Herbst - Winter 2008
99% der Reiseorganisation oblag Margret. Sie hat ein Händchen dafür, gute und günstige Angebote zu finden. Für uns stand fest: Keine pauschale Namibia-Rundreise sollte es sein, sondern eine auf unsere Wünsche zugeschnittene Tour. Ohne „Diktat“ einer Reiseleitung, die dann, wenn es irgendwo gerade schön oder interessant ist, dem Plan folgend weiterfahren muss. Ohne in einen Bus gepfercht zu sein. Ohne Gruppenzwang.
Drei Wochen hatten wir zur Verfügung und für uns stand fest: In dieser Zeit sollte man sich nicht das ganze Land vornehmen! Wir hatten gelesen, dass es Reisende gibt, die in dieser Zeit mehr als 7.000 km durchs Land „hetzen“. Wir wollten uns Zeit lassen, auch mal mehrere Tage an einem Fleck bleiben – eben erleben und relaxen! In drei Wochen kann man sowieso nicht alles sehen!
 
Und so reifte der Plan einer Rundreise durch den Norden im April 2009. Übers Internet, im Reisebüro und direkt im Land telefonisch buchte Margret Position um Position, bis folgende Route (im Uhrzeigersinn) durch den Norden Namibias stand: Windhoek – Nomtsas – Sossusvlei – Swakopmund – Cape Cross – Erongo Gebirge – Twyfelfontain – Etosha-Nationalpark – Waterberg – Windhoek. Das „Expeditionsauto“, einen TOYOTA Hilux 4x4 reservierten wir bei Savanna-Autovermietung in Windhoek. Man spricht dort Deutsch und bietet einen Shuttle-Dienst vom und zum Flughafen an, der gratis ist (Tip für den Fahrer nicht vergessen!). An was war noch zu denken? Malaria – die große Gefahr! Auch hierzu recherchierten wir ausführlich im Internet und Bekanntenkreis. Eine weitere Meinung fügte unser Hausarzt hinzu. Ergebnis: Wir haben keine Malaria-Prophylaxe eingenommen. Und das aus folgenden Gründen:
1.     Lediglich im Norden (Etosha) besteht überhaupt eine reale, wenn auch minimale, Infektionsgefahr.
2.     Gibt es ausreichend Möglichkeiten, sich gegen Mückenstiche zu schützen, die da sind
·         In der kurzen Abenddämmerung – nur dann sind die Anopheles-Mücken aktiv – trägt man lange Hosen, bedeckt die Arme und den Kopf – und alles, was dann noch Angriffsfläche bietet, wird mit effektiven Mitteln eingesprüht. Dabei kann man auf AUTAN oder andere bei uns bekannten Sprays verzichten. Die in Namibia fast überall erhältlichen TABBARD oder PEACFUL SLEEP halten wirklich Ungeziefer auf Distanz! An beleuchteten Wasserlöchern hält man sich fern der Lampen auf!
3.     Die Verträglichkeit von Malaria-Prophylaxen ist immer fraglich. Wir kennen Leute, die sich aufgrund der Nebenwirkungen wie Magenprobleme oder Halluzinationen den ganzen Urlaub „versaut“ haben.
4.     Mediziner im Land empfehlen als „moderne“ Handlungsweise die Mitnahme eines „Stand-By“ – Präparates wie z.B. MALARONE. Dieses wird nur bei Verdacht einer Ansteckung eingenommen. Danach sollte man sich möglichst umgehend in ärztliche Betreuung begeben.
 
Fazit: Wir würden es wieder so machen, aber natürlich sollte jeder nach seiner Meinung entscheiden!
 
Am 5. April 2009 ging es dann endlich los. Da uns durch den Einsatz von „miles & more“ – Punkten fast kostenlose LH-Flüge zur Verfügung standen, nahmen wir den Umweg über Johannisburg in Südafrika in Kauf. Wer die Wahl hat, sollte jedoch direkt Frankfurt – Windhoek buchen! Diese Empfehlung hörten wir oft. Uns fehlte am Mittag des 6. April bei der Ankunft in Windhoek jedenfalls das komplette Gepäck, welches beim Umsteigen in SA wohl keinen Platz mehr in der kleineren Maschine nach Namibia gefunden hatte. Es ist zwar ärgerlich, aber grundsätzlich nicht problematisch, wenn das Gepäck vermisst wird. SAA gab sich jede Mühe und entschädigte jeden Tag ohne Gepäck pro Person mit 740 N$, was immerhin gut 70 € bedeutet. Medikamente, Kosmetik und eine „Notausrüstung“ an (Unter)Wäsche gehört ins Handgepäck. In 99% der Fälle werden die
Koffer schnell gefunden und an jeden Ort der Reise nachgeliefert!
 Windhoek-Airport HOSEA KUTAKO - sicher gelandet
 
6. April 2009
Savanna-Autovermietung holt uns vom Flughafen ab. Die Übernahme des TOYOTA verläuft schnell und ohne übergroße Formalitäten. Für die erste Nacht haben wir uns im Kalahari Sands Hotel mitten in Windhoek eingemietet. Geschafft vom langen Flug und dem „Drumherum“ mit Gepäckverlust usw. liegen wir früh im Bett.
 
 
7. April 2009
Ein unfassbar reichhaltiges Frühstücksbuffet verhilft unseren Lebensgeistern am Morgen auf die Sprünge. Wir kassieren gleich um die Ecke die „Kofferprämie“ im Büro von SAA, gehen noch kurz Shoppen und machen uns dann auf den Weg nach Nomtsas – Afrika kann kommen!
Die Fahrt führt uns über die gut ausgebauten Straßen der Hauptstadt Windhoek nach Süden hinaus auf die B1 Richtung Rehoboth. In den Genuss einer asphaltierten Piste kommt man in Namibia nicht oft. Von mehr als 66.000 Kilometern „Straßennetz“ sind weit weniger als 10% im europäischen Sinn befestigt. Unter strahlend blauem Himmel erreichen wir Marienthal, wo wir das Asphaltband Richtung Westen verlassen und auf der C19 Maltahöhe ansteuern. (Alle Straßen ab der Bezeichnung „C“ sind lediglich mehr oder weniger gut planierte Sand/Schotter-Wege, die hier Pad genannt werden). Ab dort geht es auf der C14 gut 60 km bis zu unserem ersten Quartier in der Wildnis. Kurz vor Ankunft auf der Jagd- und Gästefarm „NOMTSAS“ sehen wir unsere ersten Wildtiere: Eine Warzenschwein-Familie kreuzt den Pad und eine Großtrappe zeigt ihre Flugkünste. Leider ist die Familie Voigts krankheitsbedingt in Kapstadt, aber der „Ersatzwirt“ auf „NOMTSAS“, Manni, heißt uns herzlich willkommen. Vor unserem Zimmer wohnen Erdmännchen im Rasen. Manni bereitet uns ein Abendessen, das uns auf die nächsten Wochen einstimmt. Kudu-Lende, gegrillt, mit Salzkartoffeln und Karottensalat. Margret und ich sind uns schnell einig: Das war das beste Fleisch, das je unseren Gaumen passiert hat! Manni (74), der früher Buschflieger war, erzählt uns noch einige Anekdoten aus seinem Leben, ehe wir ins Bett fallen. Übrigens: Albert, der Sohn von Heino und Heide Voigts, ist ein exzellenter Kenner der Vogelwelt Namibias.
 
8. April 2009
Nach einer, für uns Mitteleuropäer fast schmerzlich lautlosen Nacht und einem guten Frühstück, unternehmen wir die gestern bestellte Pirschfahrt im privaten Wildreservat der Fam. Voigts. Etwa 22.000 ha Busch und Savanne sind hier eingezäunt und bieten u.a. Antilopen wie Kudu, Oryx, Impala und Springbock, Weißschwanz-Gnus, Zebras, Straussen und Giraffen ein artgerechtes Domizil. Und Manni und sein Wildhüter finden für uns auch jede Menge Foto-Beute!

Erdmännchen ganz zahm

 

Weißschwanz-Gnus...

 

...und coole Giraffen

 

  NOMTSAS - Jagd-und Gästefarm    
Vier Stunden später brechen wir – um wunderschöne Eindrücke reicher – Richtung „SOSSUSVLEI LODGE“ am Sesriem Tor auf. Am Nachmittag erreichen wir unsere nächste Unterkunft nach einer einsamen Fahrt durch das beeindruckende Naukluft-Gebirge. Hierzu ging es zuerst über die C14 bis Ababis. Dort biegt man links ab auf die D1273, um wenig später wiederum nach links auf der C19 Richtung Süden weiter zu fahren. Ein kurzes Stück noch auf der D826 gen Westen – und man ist da. SAA hat unsere Koffer bereits hier angeliefert! Die Lodge ist gepflegt, recht groß und gut gebucht. Trotzdem „verläuft“ sich der Betrieb auf dem weiten Gelände. Als Unterkünfte dienen Steinhäuschen, in denen WC und Dusche, sowie Garderobe mit Tresor untergebracht sind, mit angebautem Luxus-Zelt. Jede „Hütte“ verfügt über eine eigene Terasse mit – mehr oder weniger – freier Sicht in die Savanne. Hier würden wir die nächsten Tage wohnen. Das Dinner besteht aus einem Selbstbedienungs-Grillbuffet mit Fleischauswahl in bester Qualität und Quantität! Nach einer der zahlreichen Vorspeisen kann man sich Eland, Oryx, Kudu, Kuhantilope, Warzenschwein, Zebra, Strauss oder sogar normales Rindfleisch vom freundlichen Personal exakt auf den persönlichen Garpunkt grillen lassen. Die Auswahl der Beilagen und des Desserts ist riesig. Ein umfangreiches Angebot an erstklassigen Weinen aus SA rundet den überaus positiven Gesamteindruck ab.
 
9. April 2009
Für heute haben wir uns einen Ruhetag vorgenommen. Da die meisten Gäste zu Touren in die Namibwüste unterwegs sind, gehört der Pool am Vormittag uns. Man kommt kaum zum Lesen oder Schlafen, soviel gibt es selbst hier am Wasser zu sehen. In wenigen Metern Entfernung stolzieren Strausse auf uns ab, umschwärmt von Webervögeln, die hier in den Bäumen ihre fremdartigen Kolonien gebaut haben. Agamen, Libellen und Schmetterlinge laben sich an den Pfützen, die man beim Verlassen des Pools auf den Steinplatten hinterlässt. Den abendlichen Genuss habe ich ja gestern schon beschrieben. Vorher versinkt die Sonne glutrot im Westen. Als „sundowner“ kann man sich an Savanna (ein Cidre) schnell gewöhnen. Vor dem Schlafen noch einen leckeren „Cabernet Savignon“ – das Leben ist schön!
 
10. April 2009
Am heutigen Karfreitag unternehmen wir unsere Fahrt in die Wüste. Ich habe gestern einige PET-Flaschen voll Wasser bei der Rezeption abgegeben, damit man sie in die Kühltruhe legen möge. So erhalte ich nun brauchbare Kühl-Akkus für unsere Stoff-Kühltasche. Es ist ratsam, und erst recht hier in der Wüste, immer ausreichend zu trinken bzw. Wasservorrat mitzuführen. Wer die unbeschreiblichen Farben- und Schattenspiele der Sonne auf dem rötlichen Sand der Dünen erleben will, muss früh auf den Beinen sein. Punkt 6:00 Uhr gelangen wir durch das Gate am Sesriem Tor. Unser erstes Ziel ist die Düne 45. Dort angekommen, sind wir nicht die ersten. Der Touristenandrang hält sich aber noch in Grenzen. Der etwas mühsame Aufstieg zum Dünenkamm wird mit sehenswerten Panoramen in allen Himmelsrichtungen mehr als belohnt. Überall huschen Tok-Tokkie-Käfer durch den feinen Dünensand. Diese kleinen Tiere haben sich perfekt an das Leben in dieser trockenen Umgebung angepasst. Früh morgens stellen sie sich in einer Art Kopfstand auf den Dünenkamm und lassen den hier oft auftretenden Frühnebel an ihrem Hinterteil kondensieren, bis ein Tropfen in den vorgeschobe-nen Unterkiefer läuft. Der Käfer dient Schlangen, Eidechsen oder Chamäleons als Beute, die so wiederum Flüssigkeit aufnehmen können.
Nach Düne 45 steuern wir das Death Vlei an. Hier darf man nur mit 4x4-Fahrzeugen hin. Unser TOYOTA Hilux zeigt, was er kann. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf Springböcke, Oryx-Antilopen und Strausse. Das Death Vlei war bis vor einigen Tagen noch mit Wasser bedeckt. In diesem Herbst hat es in Namibia unverhältnismäßig viel und lange geregnet! Bevor wir zur Lodge zurückkehren, schauen wir uns noch den Sesriem-Canyon an. Hier hat der Tsauchab-Fluß vor Jahrmillionen ein bis zu 50 Meter tiefes Bett in den Boden gewaschen. Unter nach deutschen Verhältnissen haarsträubenden Sicherheitsvorschriften und –vorkehrungen (nämlich keinen), kann man das Naturwunder auf eigene Faust erkunden – aber VORSICHT ist wirklich geboten!
 
 
Skulpturen von Jägern mit Pfeil und Bogen sieht man oft
Rebecca "liefert" besten Wein aus Südafrika
Das Sossusvlei - der einzige frei zugängliche Teil der Namib-Wüste
rötlich strahlen die Sanddünen in der Morgensonne - Strausse wandern durchs Gras
Oryx-Antilopen frühstücken am Fuß der Dünen
Die Düne 45 darf bestiegen werden - von hier hat man einen atemberaubenden Rundum-Blick
ein einsamer Köcherbaum
Nirgends geht die Sonne so schön unter wie in Namibia - hatte Bernd mir erzählt! Und wir stimmen ihm gerne zu!
Sonnenuntergang in der Sossusvlei-Lodge
11. April 2009
Nach dem Packen wird gefrühstückt. Wir brechen auf nach Swakopmund. Über 300 Kilometer Pad liegen vor uns. In Solitaire an der Abbiegung von der C19 auf die C14 tanken wir nochmal voll. Man sollte jede Gelegenheit zum Tanken nutzen! Und obwohl wir einen Doppeltank mit ca. 130 Liter haben, halte ich mich an diese Empfehlung. Einen weiteren allgemeinen Rat, nämlich nicht schneller als 80 km/h auf den Pads zu fahren, beherzige ich auch – zumindest weitgehend. Als alter Rallye-Hase bin ich es zwar gewohnt, auf Schotterpisten schnell zu fahren, aber ich spüre, wie der Wagen ab 100 km/h hier und da zu „schwimmen“ beginnt. Über den Gaub-Pass und Kuiseb-Pass zieht sich die C14 in später schier endlosen Geraden durch immer karger werdende Vegetation, um vor Walfish Bay nur noch nackte Wüste zu durchqueren. Eine beeindruckende Fahrt durch die Einsamkeit und Weite, man trifft stundenlang kein anderes Auto!
Walfish Bay streifen wir nur kurz, um auf der Küstenstraße (B2) entlang des Atlantiks nach Swakopmund zu kommen. Unmengen von Anglern stehen am Strand zur Rechten und zur Linken toben Quads durch die Dünen.
In Swakopmund haben wir bei „SAM’S GIARDINO“ gebucht, einem Geheimtipp am Rande der Stadt. Sam, ein Schweizer, führt die kleine Hotelpension mit viel Liebe und Engagement. Man kann sagen, ein guter Koch, ein exzellenter Weinkenner mit überragender Auswahl und ein geselliger Gastgeber, von dem wir viel über Land und Leute erfahren. Einzig die fehlende Klimaanlage im Zimmer gilt es zu bemängeln!
 
12. April 2009
Zum Frühstück treffen wir uns mit Manni, dem Ersatz-Gastgeber von NOMTSAS. Er wohnt gerade mal ein paar Meter um die Ecke. Später wandern wir in die Stadt. Da Ostersonntag ist, haben nicht alle Geschäfte geöffnet. Was an Swakopmund auffällt: Es ist „Deutscher als Deutsch“! Deutsche Sauberkeit, Deutsche Namen an Häusern und auf Straßenschildern, fast überall hört man Deutsch…
Der Bummel entlang der Strandpromenade endet für mich ebenfalls Deutsch: Bei Leberkäs und Tafel-Lager im Brauhaus. Hier in Namibia wird – wie könnte es anders sein – nach Deutschem Reinheitsgebot gebraut. In der Brandung des Atlantiks verlieren sich trotz mindestens 26° C Lufttemperatur nur ein paar Jugendliche. Der kalte Benguela-Strom lässt selbst im Sommer keine Wassertemperatur über 18° C zu. Auf die Frage, warum die Straßen so breit sind, erhält man die Antwort: „Damit ein mehrspänniger Ochsenkarren in einem Zug wenden kann!“ Insgesamt wirkt Swakopmund auf uns ein wenig wie Legoland!
 
13. April 2009
Zurück zur Natur. Unser Tag beginnt früh, denn wir haben heute eine lange Etappe vor uns. Auf der Salzpiste der C34 cruisen wir vorbei an Henties Bay zum Cape Cross. Hier wollen wir die Robbenkolonie besuchen. Gut, dass Foto und Video keine Nasen haben. Hier verbreiten Zehntausende von Pelzrobben, auch Seebären genannt, einen umwerfenden Gestank. Das Schauspiel allerdings lässt einen trotzdem gerne verweilen. Hautnah erlebt man, wie kleine Seebären gemacht werden, wie sie zur Welt kommen, im Atlantik jagen, spielen, faulenzen, fressen, sterben und eben Gestank produzieren. Nach einiger Zeit müssen wir uns losreißen, obwohl unsere Nasen sich einigermaßen gewöhnt haben. Wir fahren ein Stück zurück auf der C34 bis kurz vor Henties Bay, vorbei an Salzfeldern und über Salzstraßen, einer hier am Atlantik gebräuchlichen Bauart. Sand/Salz-Gemisch wird als Schüttung verdichtet und ergibt eine ebene, betonharte Piste. Vorsicht ist allerdings bei Regen (äußerst selten) und Nebel (hier sehr häufig) geboten: Dann verwandelt sich die Oberfläche förmlich in Schmierseife! Die C35 zweigt Richtung Uis nach links ab. Im Laufe der Zeit wird aus Wüste wieder Grassavanne und später Buschsavanne. Unmerklich, aber stetig gewinnt man an Höhe, um bei den Uisbergen schon wieder 1.000 Meter zu übersteigen. Auf diesem Teilstück treffen wir kaum auf Wild. Ein paar Paviane bevölkern einen padnahen Felsen. Gegen Abend erreichen wir über die C36 Omaruru. Von hier bis zur „ERONGO WILDERNESS LODGE“ auf 1.370 Meter ü.d.M. ist es nur noch ein Katzensprung über die C33.
Diese Lodge soll sich in der Nachbetrachtung am Reiseende als die schönste erweisen! Inmitten mächtiger, roter Felsen verteilen sich an den Wänden eines Kessels zehn Luxus-Zelte. Auf überdachten Holzplateaus stehen geräumige Zelte. Die Sanitäreinrichtung ist organisch in die Felsen gefügt und zur Wildnis offen. Vor dem Zelteingang befindet sich eine möblierte Terrasse, von der man einen herrlichen Blick hat. Überall lungern süße Klippschliefer (Dassies) herum. Felsagamen huschen über die heißen Steine und schillernde Falter tanzen im Licht der sinkenden Sonne.
An der Rezeption müssen wir unterschreiben, dass wir uns hier auf eigene Gefahr bewegen. Spuren weisen darauf hin, dass sich eine Schwarze Mamba hier herumtreibt. Allerdings hat sie noch niemand gesehen. Vor dem stilvollen Restaurant befindet sich ein kleiner Pool, der in die Felsen integriert wurde.
Beim Dinner sitzen wir förmlich mitten in der Natur. Riesige glaslose Fenster beleuchten die nahe Umgebung und lassen die Tierwelt nicht außen vor.
Zwei Meter neben uns schnuppert ein Stachelschwein in den Felsspalten. Felsratten und die obligatorischen Dassies wuseln überall herum. Ein langer Tag geht zu Ende – Natur pur, Afrika hautnah!
 
14. April 2009
Auwei, war das eine ruhige Nacht! Um 6:15 Uhr werde ich wach. Meine Frau schläft noch und ich mache einen kleinen Foto-Spaziergang. Punkt sieben beginnen die Dassies zu schreien. Es klingt wie Babys mit Bauchweh!
Zum Frühstück gibt es tolle Pfannekuchen und Omeletts. Bunte Vögel, unter ihnen Rosy-Faced-Lovebirds, Glanzstare, verschiedene Tauben und farbige Weber, schauen uns beim Frühstück zu. Den Tag verbummeln wir am Pool. Überall gibt es was zu sehen. Der Marmorkuchen zum Kaffee schmeckt „wie bei Muttern“. Nachmittags suchen wir in Omaruru nach Mini-DV-Casetten – leider vergebens. Dinge wie Filme, Speicherkarten oder Videocasetten sollte man spätestens in Windhoek oder Swakopmund besorgen, wenn man sie zuhause vergessen hat. In Outjo allerdings fand ich später noch eine Möglichkeit – dazu später mehr.
Abends wieder erstklassige Küche, erstklassiger Service, erstklassiger Wein…
Wir suchen früh unser Zelt auf – denn morgen machen wir eine geführte Wanderung durch die nahe Umgebung.
 
15. April 2009
Ein improvisiertes Frühstück eröffnet den Tag. Die Wanderung mit dem Guide führt uns einmal rund um unsere „Hütte“. Wir erfahren Wissenswertes über diesen Landstrich, die Flora und Fauna. Latent ist allgegenwärtig die Möglichkeit, auf Schlangen zu treffen. Allerdings – wenn man sich entsprechend verhält – ist die Gefahr nur relativ. Ruhig und mit festem Schritt wandern! Schlangen werden durch die Bodenvibration gewarnt und verziehen sich – meist ungesehen. Außer der Puffotter, die auch trotz Störung schon mal liegenbleibt, flüchten alle Schlangen, bevor die Fluchtdistanz unterschritten ist. Dazu festes Schuhwerk und eventuell ein Wanderstab, dann ist man gut gerüstet. Dass jede Lodge über ein Schlangen-Serum-Depot verfügt, ist übrigens ein Märchen!
Abends lassen wir uns von einem fantastischen Sonnenuntergang verzaubern. Nirgends sieht man solche Sonnenuntergänge wie in Afrika!
 
16. April 2009
Beim heutigen Frühstück können wir ein Damara DikDik beobachten. Ein Rockbill, ein grauer Vogel mit großem Schnabel, groß wie eine Elster, besucht uns. Die Reise geht weiter. Diesen paradiesischen Ort zu verlassen, fällt schwer. In Omaruru kaufen wir noch Getränke ein, dann geht es zurück nach Uis. Dort wird getankt und dann biegen wir auf die C35 ab, um nach einigen km nach links der D2319 zu folgen. Auf dieser Route liegt ein kleines Dorf, das fast nur aus Kindergarten und Schule zu bestehen scheint. Der Halt mitten auf dem Pad endet im Chaos. Wenn man sich Freunde machen will, nimmt man als „Giveaways“ Bonbons und/oder Kugelschreiber mit nach Namibia. Ich mit meiner Tüte „Nimm2“ habe jedenfalls innerhalb weniger Sekunden gefühlte 100 Freunde.
Die Gegend, durch die unser Weg uns weiter führt, ist besiedelt mit schwarzen Ziegenbauern. Der Regen der vergangenen Tage hat die Pads stark zerstört. Ohne Allrad wäre hier auf der D2612 an ein Weiterkommen nicht zu denken! Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die „TWYFELFONTAIN COUNTRY LODGE“. Dicht an ein Bergmassiv gedrängt, liegt die strohgedeckte Lodge in der Abendsonne. Sieht gut aus, ist aber in unseren (verwöhnten) Augen – wie sich herausstellt – nicht gut. Die Lage direkt am sonnengetränkten Fels heizt die Zimmer in den Bungalows stark auf! Hier müsste Aircondition selbstverständlich sein – aber leider fehlt sie. Der Restaurantbetrieb ist auf Bustourismus eingestellt = Massenabfertigung. Klar, man hat eine recht große Auswahl, es fehlt an Nichts, nur an Geschmack! Einzig der sehr große Pool ist in unseren Augen lobenswert. Nicht einmal der Service ist durchschnittlich gut. Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben, fahren vor dem Dinner in Erwartung eines weiteren „Super-Sonnenuntergangs“ einige hundert Meter in die Savanne hinaus und werden nicht enttäuscht.
 
17. April 2009
Wie zu erwarten war, wachen wir nach unruhiger Nacht schweißgebadet auf. Das durchschnittliche Frühstück reißt uns nicht vom Hocker. Wir besuchen die nur wenige km entfernten, berühmten Felsmalereien. Die San-Buschmänner haben vor 2 – 6000 Jahren Gravuren in den Fels geritzt. Meist werden Tiere dargestellt. Wir wissen nun, warum diese Gegend Twyfelfontain heißt. Zweifelhaftes Wasser bedeutet, dass es hier keine zuverlässigen Quellen gab und gibt. Mal ist Wasser da und mal nicht! Um 15:00 Uhr starten wir mit Siggi und seinem Unimog zu einer geführten Pirschfahrt. Die Tour führt uns durch Savanne und das trockene Bett des Huab ca. 60 km Richtung Westen. Siggi erzählt uns sehr viel über die hier vorherrschende Flora und über die erdgeschichtliche Entwicklung. Wir sehen Oryx- und Kuhantilopen, eine großer Straussenschule und eine Vielzahl an Vögeln, in der Luft, auf den Bäumen und – wie z.B. Burchells Sandhuhn oder Gackel- und Riesentrappe – am Boden. Nur den „wüstenangepassten“ Elefanten, dem die Pirsch eigentlich gilt, finden wir nicht. Laut Siggi liegt es daran, dass es zuletzt immer noch viel geregnet hat, die Trockenzeit also verspätet beginnt und die Tiere noch fast überall Wasser finden. In trockenen Zeiten graben die Elefanten im Huab nach Wasser. Bevor wir den „Sundowner“ in Form von gekühltem Sekt genießen, durchfahren wir noch die Siedlung der Riemfasmaker. Dieses Volk war in Südafrika zuhause. 1972 – also noch 18 Jahre vor der Unabhängigkeit – deportierte SA die Riemfasmaker 2.000 Kilometer nach Norden ins Damaraland auf eine verlassene Ziegenfarm. An ihrem angestammten Platz wurde ein Truppenübungsplatz gebaut. Die Menschen tragen fast alle typisch holländisch klingende Namen, da sie seither den Namen ihrer Dienstherren, der Buren, annehmen durften. Riemfasmaker bedeutet Riemenfestmacher und bezeichnet die Tätigkeit eines Ochsenkarrenbremsers. Bei Bergab-Passagen mussten sie nämlich die Gespanne bremsen, indem sie starke Lederriemen um einen Reifen banden und diesen blockierten. Als 1990 Namibia in die Unabhängigkeit ging, erlaubte SA die Rückkehr, aber fast alle Riemfasmaker blieben. Schließlich hatten sie hier Ihre Angehörigen beerdigt! Der kühle Sekt vor der Kulisse von etwa 20 Springböcken im schwindenden Tageslicht schmeckt gut. Die Heimfahrt zur Lodge im Dunklen hat etwas von „Rallye Monte Carlo“!
 
18. April 2009
 Um der unerträglichen Nachthitze zu entkommen, stehen wir um 6:00 Uhr auf, frühstücken und verlassen die „Hölle“. Der Pad D2612 führt uns zur C39 nach Khorixas und weiternach Outjo. In diesem sauberen Kleinstädtchen gibt es beim Bäcker Schwarzwälder Kirschtorte in alter Tradition. Überall deutsche Spuren! In einer Seitenstraße gibt es einen kleinen Laden mit FUJII-Reklame über der Tür. Hier verkauft ein deutschsprachiger Weißer unerwartet ein gut gemischtes Sortiment an Foto- und Video-Artikeln. Die Etosha-Pfanne kann kommen – wir sind gerettet!
Gegenüber liegen etliche Himbas im Schatten. Gegen den Kauf von handgemachten Schmuckstücken dürfen wir fotografieren.  Die C38 – asphaltiert – führt uns nach Norden weiter zum heutigen Tagesziel, der „ETOSHA SAFARI LODGE“, die nur wenige km vor dem Andersson-Gate liegt. Diese Lodge verfügt über mehr als 50 Bungalows und bietet sich für Reisende an, die zwar die Etosha-Pfanne besuchen, jedoch nicht im Reservat-Gebiet schlafen wollen. Die Zimmer und Dusche/WC sind Klasse. Der Pool liegt traumhaft am Hang über der Baumsavanne. Der Blick geht ungehindert bis zum fernen Horizont. Aber auch Service und Küche sind einfach himmlisch!
 
19. April 2009
Nach 10 Stunden Schlaf hat uns die „Erde“ wieder. Das Frühstück ist „obstlastig“, aber sehr vielseitig und gut. Heute fängt ein neues Kapitel „Namibia“ an: Der Besuch im Etosha- Nationalpark. Nur hier werden wir die Möglichkeit haben, Löwen zu sehen. Nur hier gibt es Wild in riesigen Mengen. Tausende Zebras, Antilopen, Giraffen. Hunderte Elefanten, Nashörner, Löwen. Auch die Chance auf eine Begegnung mit Leopard und Gepard ist gegeben. Um 8:45 Uhr passieren wir das Andersson Gate. Der Eintritt für drei Tage kostet etwa 50 €. Hier gelten besondere Regeln. Höchstgeschwindigkeit = 60 km/h, der Wagen darf außerhalb der Camps nur in separaten Toiletten-Zonen verlassen werden und man muss vor Anbruch der Nacht zurück im Camp sein!
Nachdem wir schon mal am Wasserloch Gaseb viele Tiere wie Springböcke, Zebras, Impalas und Oryx-Antilopen beobachtet haben, checken wir im „OKAUKUEJO RESORT“ ein. Gegen den Aufpreis von 150 N$ erhalten wir einen Bungalow direkt am Wasserloch. Wer zur Tierbeobachtung hierher fährt – und was sollte man sonst für Gründe haben – sollte folgende Regel beherzigen: Ist es nass, musst du fahren – ist es trocken, kannst du warten! In den Pads graben Erdhörnchen unentwegt ihre Gänge, deren Bauten-Areal nicht selten hunderte von Quadratmetern unterminiert. Einige der in den aktuellen Karten verzeichneten Wasserlöcher scheinen für immer versiegt. So sind z.B. Helio, Nomiams und Batia trocken und sollten aus den Verzeichnissen getilgt werden. Das Wasserloch in Okaukuejo zählt zu den ältesten und ist entsprechend gut besucht. Verpflegung im Restaurant ist höchstens Mittelklasse und hält mit der Unterkunft nicht mit. Nach langem Abend mit Bier und Wein an der Mauer vor dem Loch fallen wir glücklich ins Bett.
 
20. April 2009
„Nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“, heißt ein Sprichwort. Genau danach handeln wir heute. Punkt 7:00 Uhr verlassen wir das Resort Richtung Halali. Wir fahren diverse Wasserlöcher an, u.a. Olifantenbad und Aus, leider ohne auf Elefanten zu stoßen. Einchecken im „HALALI CAMP“ um 11:00 Uhr mit dem obligatorischen SAVANNA. Meine Frau kocht Kaffee im akzeptablen Bungalow. Bemerkenswert ist, dass in (fast) allen Unterkünften Wasserkocher, Kaffeepulver und – weißer, sowie Tee zur Verfügung steht. Die Fahrt zum Etosha Lookout erinnert an die Ostsee. Selten zuvor gab es um diese Zeit in der Pfanne soviel Wasser. Wenngleich nur 10 cm tief, so ist die riesige Fläche bis zum Horizont mit Wasser bedeckt. Eine hervorragende Brutstätte für die Anopheles-Mücke! Am Goas ist einiges los. Giraffen, Impalas, Springböcke, Warzenschweine, Helm-Perlhühner, jede Menge verschiedener Webervögel und sogar eine Kaiserwitwe tummeln sich hier im Grünen und in den Büschen. Ein Gebrüll von rechts und alles erstarrt! Löwen! Noch ehe meine Frau sie entdeckt, haben sich die anderen Tiere verzogen. Uns gelingen lediglich zwei brauchbare Aufbnahmen, da sich die Katzen nicht richtig aus ihrem Versteck bewegen. Das Wasserloch im Halali liegt etwa 500 Meter abseits, ist künstlich angelegt und noch recht jung. Daher wird es noch Jahre brauchen, bis es vom Wild „akzeptiert“ ist. Wir sehen abends zwar links abseits drei verspielte Breitmaul-Nashörner, aber just in diesem Moment eintreffende Jugendliche, die sich zu laut und hektisch verhalten, verscheuchen die Tiere. Nach einigem Warten geben wir auf und nehmen uns vor, morgen noch früher zu starten.
 
21. April 2009
Um 5:30 Uhr geht’s aus den Federn. Margret motzt zwar, aber so ist Etosha! Die erneute Pirsch auf Elefanten macht „kribbelig“! Am Wasserloch Goas werden wir nicht fündig. Bei Springbockfontain liegen 16 Löwen im Steppengras nahe der Piste und obwohl ich langsam unterwegs bin, wäre ich fast vorbei gefahren. Margret entdeckt sie in letzter Sekunde und wir haben eine unterhaltsame Stunde bei der Beobachtung dieser anmutigen Großkatzen. Zwischen Okerfontain und Kalkheuwel besuchen wir das „Wildnis-Klo“. Eingezäunt stehen einige Toilettenbauten herum, nur – reingehen? Soviel Angst vor Löwen kann man gar nicht haben!!! Wir machen unser Geschäft im fragwürdigen Schutz der Umzäunung. Am Wasserloch Kalkheuwel suhlt sich ein Warzenschwein unter „Beaufsichtigung“ einiger Impalas. Wir wollen gerade weiter fahren, da – links von uns baut sich hinter dem nahen Horizont eine graue Wand auf. Es ist einfach überwältigend, wenn in solch kurzer Entfernung ein Elefant aus dem Nichts auftaucht. Keine 30 Sekunden später gesellt sich ein zweiter dazu. Die beiden Giganten trinken ausgiebig und besprühen sich mit Schlamm. Den Hinweis eines einheimischen Führers und Erzählungen meiner Freunde Heiner und Gerd im Hinterkopf, achte ich sorgsam auf die Kolosse. Elefanten können nämlich sehr ungemütlich werden! Und schon trottet der erste langsam und gemächlich auf uns zu. Wenn er nun noch mit den Ohren wedelt, ist Rückzug angesagt. „Elefanten setzen sich im Zweifelsfall auch schon mal auf’s Auto oder kippen es einfach um!“, klingt es im Hinterkopf. Ich gehe kein Risiko ein und starte den Wagen. Auf der Weiterfahrt nach Namutoni fotografieren wir Giraffen, verschiedene Antilopen, Springböcke und endlich mal mehrere Streifen-Gnus. Die Springböcke machen ihrem Namen alle Ehre. Erschrecken sie sich, können sie aus dem Stand bis zu 3,50 (!) Meter hoch springen. Das „FORT NAMUTONI“ ist in unseren Augen das beste der drei besuchten Camps im Etosha-Park. Ein großzügiger „Gral“-Bungalow ist unser Quartier. Bis zum riesigen Pool sind es gerade mal 20 Meter und zum Wasserloch etwa 150! Scheinbar sind alle Beobachtungsposten an den Löchern so ausgerichtet, dass man gen Westen schaut. Der Himmel verspricht auch heute einen grandiosen Sonnenuntergang. Ab nachmittags warte ich bereits am Wasserloch auf die Rhinos, die mir die Boys hier im Fort versprochen haben. Fehlanzeige! Margret nutzt die Stunden zum Baden und Sonnenbaden am Pool. Gegen 17:30 Uhr wird die Sonne zu einer riesigen Orange. „Jetzt noch eine Giraffe!“, denke ich und…
…wie auf Bestellung bummelt eine ausgewachsene Giraffe durch den Sonnenball. Das ist eines der genialsten Fotos dieser Reise. Da bin ich mir sicher! Giraffen sind unglaublich cool. Schnecken wirken gegen sie geradezu hektisch. Mit welcher eleganten Gelassenheit und stoischen Ruhe diese großen Tiere agieren, grenzt an Provokation! Geschlagene 20 Minuten braucht mein “Fotomodell“, bis es die 30 Meter ans Wasser zurückgelegt hat. Mit dem Bewusstsein und der Erinnerung an eine wunderschöne Tierszene schlafe ich ein...
22. April 2009
...um am heutigen Morgen bereits gegen 4:30 Uhr von randalierenden Bungalow-Nachbarn aus dem Schlaf gerissen zu werden. Entweder sind die (osteuropäischen?) Weiber noch oder schon besoffen! Wir machen aus der Not eine Tugend und packen. Als Erste beim Frühstück - Auschecken - Und dann sind wir wieder "On Tour". Unsere letzten Stunden im Etosha-Park sollen uns noch Überraschendes bringen!!! Wir umfahren "Fishers Pan"  gegen den Uhrzeigersinn. Unheimlich wirkt das absolut ruhige Wasser links und rechts vom Fahrdamm in dieser frühen Morgenstunde. Einige Steinböckchen kreuzen unseren Weg, ein scheues Kudu-Paar flieht durchs Savannengras - und dann: Wir biegen um eine Kurve...
...und überfahren beinahe eine Löwin, die es sich mitten auf dem Pad bequem gemacht hat. So hautnah an der "Königin" - das erzeugt Kribbeln im Bauch! Rechtsab im Gebüsch liegen zwei weitere Tiere und fixieren uns mit bernsteinfarbenen Augen. Wir können uns kaum lösen. Zuletzt steht die Löwin auf, knurrt uns mit einem "Roaaaarrrrrr" aus furchteinflößendem Rachen an und trottet keine 50 cm an meinem Fenster vorbei in den Busch. Die Fotoausbeute ist super! Etwas später beobachten wir Zebra-Mangusten (Streifenmungos) auf einem, offensichtlich von ihnen anektierten, Termitenhügel. Oft werden die von ihren Erbauern verlassenen Gebilde von anderen Tieren als Heimstatt benutzt. Ein intakter Termitenbau zeigt nicht die kleineren und größeren Löcher, die man in verlassenen Bauten findet. Ein untrügliches Indiz! Niemals sollte man in diese Löcher greifen, da außer Mangusten oder Erdmännchen oft Schlangen, wie z.B. die Schwarze Mamba, hier ihr "Lager" aufschlagen. Die Weiterfahrt zum Wasserloch Klein-Namutoni führt durch sumpfartiges Gebiet, in dem etliche Wasservögel, u.a. auch Graureiher, beste Lebensbedingungen finden. Auch am Wasserloch sehen wir nicht die ersehnten Nashörner. Dafür ist hier aber richtig was los. Zebras "kloppen" sich mit Giraffen um die besten Trinkplätze. Impalas, Streifen-Gnus, Kudus, Oryx-Antilopen und Springböcke schauen mehr oder weniger gelangweilt zu. Wir befahren den naheliegenden DikDik-Drive, einen etwa 4 km langen Rundkurs, der seinem Namen alle Ehre macht. Gleich mehrere Damara DikDik treten auf den Plan. Diese winzige Antilope ähnelt ein wenig einem Rehkitz. Sie wird lediglich 30 cm hoch und 6 kg schwer!
Gegen Mittag heißt es dann endgültig Abschied nehmen. Durch das Lindquist Gate verlassen wir das "Paradies" und nehmen Kurs auf Tsumeb. Einige km auf der C38, dann gut 80 km auf der B1 nach Süden, und schon sind wir da. Wir wechseln Geld, Tanken und kaufen Getränke ein. Beim namibischen KFC - HUNGRY LION - lassen wir uns ein Hähnchen schmecken. Tsumeb hat für die Versorgung alles, was man braucht: Supermärkte, Geldautomat, Märkte, Restaurants etc., aber uns fällt die außergewöhnlich große Polizeipräsenz auf! Die Gründe hierfür können wir nur vermuten. Über Otavi führt uns der Weg weiter nach Otjiwarongo, einer sauberen Kleinstadt mit viel Leben. Otjiwarongo liegt an der B1, rund 50 Kilometer westlich des Waterberg Massivs und 250 Kilometer nördlich von Windhoek. Die Hereros, die hier einst siedelten, nannten den Ort "Platz der fetten Kühe", und in der Tat liegen auch heute einige der besten Rinderzucht Betriebe in der Otjiwarongo Gegend. Auf Grund von - für namibische Verhältnisse - hohen Niederschlägen sind die Weiden gut, die Böden fruchtbar. Otjiwarongos Bedeutung besteht darum im wesentlichen darin, die im Umkreis von 200 Kilometer liegenden Farmen zu versorgen. Da die Zeit drängt und wir vor der Dunkelheit am Waterberg Massiv sein wollen, biegen wir südlich der Stadt auf die C22 ab, um dann später der D2512 bis zur Waterberg Wilderness Lodge zu folgen.
Die Lodge der Familie Rust ist ein wirklich paradiesischer Fleck. Joachim Rust hat vor 8 Jahren die heruntergekommene und verlassene Farm seiner Ahnen (Familie des Komponisten Friedrich von Flotow) zurückgekauft und betreibt sie nun als reinen Touristikbetrieb. Ca. 3500 ha Land hat er mit 22 km Zaun befriedet und dort verschiedene Antilopen, Zebras, Giraffen, Strausse und sogar zwei Nashörner eingesetzt. Letzteren gilt die abendliche Pirschfahrt, die ich mit Joachim Rust unternehme. Leider finden wir die Tiere nicht. Aber die besinnlichen Stunden mit dem sympathischen Mann, der die Natur so sehr liebt, sind trotzdem unvergeßlich. Zuletzt fallen ein paar Regentropfen, die ersten seit Reisebeginn - und die sind selbst hier am Waterberg um diese Zeit ungewöhnlich. Das 40.500 ha große Waterberg Plateau ist heute ein Nationalpark. Traurige Bekanntheit erzielte die Gegend durch die Schlacht am Waterberg am 11. und 12. August 1904. Es war die entscheidende Schlacht im Aufstand der Herero gegen die Deutsche Kolonialherrschaft in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die Herero unterlagen in dieser Schlacht den deutschen Truppen und ihren einheimischen Verbündeten. Auf deutscher Seite hatte der Generalleutnant Lothar von Trotha versucht, das am Waterberg versammelte Volk der Herero mit seinen Truppen einzukesseln und zu vernichten. Nachdem dies misslang und zahlreichen Herero die Flucht nach Osten gelang, ließ von Trotha die Omaheke teilweise abriegeln und unterband damit die Wasserversorgung, so dass große Teile des Hererovolkes verdursten mussten. Dieses Vorgehen der deutschen Seite unmittelbar nach der Schlacht am Waterberg gilt in der Wissenschaft als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Je nach Quelleneinschätzung und Vorgehensweise der Historiker verloren zwischen 35 bis 80 Prozent des Hererovolkes ihr Leben. Im Mittel liegen die Schätzungen bei 60 Prozent. Schon Zeitgenossen betrachteten das Vorgehen Trothas als Verbrechen. Eine weitere Folge der Schlacht war, dass einheimische Mitkämpfer, insbesondere Nama, ihr Bündnis mit dem deutschen Reich aufkündigten und als neue Gegner den Kampf über weitere Jahre fortsetzten. Heute ist diese wunderschöne Region eine Oase der Ruhe.
Gegen 19:00 Uhr gehen wir zum Dinner. Wir sind heute die einzigen Gäste und werden mit allen Höhen und Tiefen der namibianischen Kochkunst konfrontiert. Einer leckeren Vorspeise und knackigem Salat folgt ein durchschnittliches Fischgericht und hoffnungslos verbrannte Kudulenden-Spieße. Die abschließende Mousse Chocolat ist mächtig. Ein Grappa hilt verdauen und der Cabernet ist wieder erste Sahne! Wir erlösen den Boy vom Service, indem wir früh ins Bett finden.
23. April 2009
Nach dem Frühstück - immer noch alleine - treffen wir das Verwalterpaar, zwei Hessen aus Schlitz und Saalmünster. In der Nacht hat es länger geregnet - von uns unbemerkt. Überall tropft und dampft es, als wir gegen 8:30 Uhr aufbrechen. Wir schauen uns noch die Bungalows der Waterberg Plateau Lodge an. Die Aussicht von hier auf die Kalahari ist gigantisch. Ein Skarabäus-Käfer kreuzt den Weg und wir beobachten eine Gruppe Paviane, die rechts des Pads die Felsen bevölkern.
Auf der Fahrt zu unserem letzten Domizil besuchen wir in Okahandja den berühmten Handwerkermarkt. Im Norden der Stadt werden wir auf der Suche nach einer Trommel für Ralf fündig. Nach zähem Preiskampf wechseln auch noch weitere Souvenirs den Besitzer. Uns bleibt der Eindruck, als sei der gesamte Markt in einer Hand und die einzelnen Händler nur zur Schau Konkurrenten. Im BRAUHAUS essen wir Bourenwors mit Bratkartoffeln, ehe wir zur letzten Etappe Richtung Immanuel Wilderness Lodge aufbrechen. Übrigens:
Es ist nicht reine Freundlichkeit, wenn einen ein wildfremder Schwarzer auf der Straße anspricht und in bestem Deutsch parliert: "Hallo, Mister, guten Tag, wie geht's? Ich heiße Josef und wie heißt du?" Alles nur Masche! Diese Burschen wollen immer etwas! Betteln oder verkaufen!!! Am Besten einfach ignorieren! Auf den letzten Kilometern zur Lodge gießt es wie aus Eimern. Bei Sabine und Stephan Hock finden wir eine tolle Unterkunft für unsere letzten beiden Nächte in Namibia. Das warmherzige und sympatische Gastgeberpaar ist erst seit 2008 mit seinen beiden Töchtern von Giessen/Hessen hierher gezogen. Stephan war Gesellschafter der MAZ und erfüllt sich nun hier mit seiner Familie einen Traum. Der ehemalige Hobbykoch bringt nun professionell die schmackhaftesten Spezialitäten auf den Tisch. Insgesamt 18 Gäste können in wunderschönen Bungalow-Zimmern untergebracht werden. Ein herrlicher Pool vervollständigt das Angebot und die Nähe zu Windhoek macht die Immanuel Wilderness Lodge zum idealen Startpunkt oder Abschlußquartier einer Namibia-Rundreise.
24. April 2009
Ganz in der Nähe der Hocks liegt die Wildfarm Okapuka-Lodge. Dort unternehmen wir mittags, nachdem wir ausgiebig am Pool gefaulenzt haben, eine geführte Pirschfahrt. Uns fehlen immer noch die Nashörner, um wenigstens drei der "BIG FIVE" in der Sammlung zu haben. Diesmal haben wir Glück! Doch nicht nur die friedlichen Breitmaul-Nashörner, sondern auch die Nilgänse und die beiden Krokodile sind eine tolle Bereicherung.
Sogar eine Puffotter bekommen wir zu Gesicht und (teilweise) auf's Foto, bevor sie flüchtend im Gras verschwindet. Obwohl es eher Zoocharakter hat, wenn man quasi zu den Tieren "gekarrt" wird, gelingen uns noch herrliche Aufnahmen von coolen Giraffen und Warzenschweinen. Der Leberkäse und die Canneloni vom Wild, zu Mittag schmecken gewöhnungsbedürftig, aber gut. Man merkt, dass die Farm von Österreichern geleitet wird. Abends bewirtet Stephan die wenigen Gäste am großen Tisch. Auch das Serviermädchen darf mitessen! Oryx-Spieß an Kalaharitrüffel-Sauce - wieder köstlich, wieder etwas ganz Besonderes! Morgen geht es nach Hause. Leider oder Gott sei Dank!?
25. April 2009
Abschiedsschmerz nach dem Frühstück. Die Autovermietung SAVANNA finden wir nicht auf Anhieb. Die Übergabe des Toyota ist jedoch wirklich kurz und schmerzlos und der Shuttle-Fahrer gibt alles, damit wir unseren Flieger problemlos erreichen. Die lange Pause in Johannisburg "kotzt" einen schon ein wenig an! Nach einem Nachtflug landen wir - bis auf Magenprobleme bei Margret - gesund und munter in Frankfurt. Ein Traumurlaub ist zu Ende. Mit Wehmut denken wir schon jetzt an Namibia zurück.

                   

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